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Wyrd-Zauber: Die Hexen von White Haven Band 11 (EBOOK)
Wyrd-Zauber: Die Hexen von White Haven Band 11 (EBOOK)
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Samhain naht. Die Vergangenheit rückt näher. Eine Abrechnung steht bevor.
Avery und ihr Hexenzirkel freuen sich darauf, Samhain zu feiern, und die Stadtbewohner bereiten sich darauf vor, ihre Ahnen mit dem „Gang der Geister“ zu ehren.
Doch dann verschwindet Ben spurlos aus der Kirche von Old Haven.
In Panik weiten die Hexen und ihre Freunde die Suche aus, doch als sie ihn nicht finden können, müssen sie akzeptieren, dass er woanders ist – an einem Ort, den ihre Zauber nicht erreichen können.
Als ein Teil der Stadt verschwindet, erkennen sie, dass ihr Leben und die Zukunft der Stadt in Gefahr sind.
Ihre Ahnen versuchen verzweifelt, ihnen zu helfen – sofern sie es können.
Doch was ist in ihrer Vergangenheit geschehen, das solch gewaltige Auswirkungen auf die Gegenwart hat?
Mit jeder Stunde, die vergeht, wächst die Gefahr. Sie brauchen Hilfe, und zwar schnell, doch das bedeutet, dass sie ihre Vertrauten finden müssen …
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LESEPROBE
LESEPROBE
EINS
Briar Ashworth warf einen weiteren Haufen goldenen Laubs auf das Gartenfeuer und klopfte sich dann den Schmutz von den Händen.
Sie lächelte zufrieden, als sie ihre Umgebung betrachtete. Sie arbeitete in einem der größeren Innenhöfe von Stormcrossed Manor, der auf einer Seite einen Geräteschuppen besaß, und nach wochenlanger Arbeit sah das Anwesen endlich viel aufgeräumter aus. Allerdings bestand kein Zweifel, dass noch viel mehr Arbeit nötig war. Macht nichts. Sie genoss jede einzelne Minute davon.
Es war ein Sonntagnachmittag Ende Oktober und die Sonne stand bereits tief am Horizont. Sie hatte sich in Stiefel, Schal und dicke Kleiderschichten gehüllt, um sich vor der herbstlichen Kühle zu schützen. Es war eine ihrer liebsten Jahreszeiten. Sie genoss das Gefühl, den Garten winterfest zu machen, in dem Wissen, dass im Frühling alles wieder zum Vorschein kommen würde.
Die Gärten waren jetzt ein kahles Gerüst aus Ästen. Die Stauden welkten, einige waren bereits zurückgeschnitten worden und nur die widerstandsfähigsten Blumen waren noch übrig. Tamsyn, ihre Großmutter – allein dieses Wort zauberte Briar immer noch ein Lächeln auf die Lippen –, hatte ihr erlaubt, zu kommen und zu gehen, wie es ihr gefiel. Das bedeutete, dass Briar mit jedem Tag, den sie dort verbrachte, auch Zeit mit ihrer neu gefundenen Familie verbringen konnte. Es war ein seltsamer Gedanke, dass sie noch drei Monate zuvor nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab.
Das Quietschen der Schubkarre, die den Weg herunterkam, kündigte die Rückkehr von Max an, Briars zwölfjährigem Neffen. Sein aufgeregtes Geplapper hatte sie dort viele Stunden lang begleitet. Nach den Ereignissen im Juli, bei denen die Banshee der Familie Tamsyn und Briar beinahe getötet hätte, schien sich Max gut erholt zu haben. Damals war er still und zurückgezogen gewesen. Jetzt redete er ohne Unterlass. Auch im Moment kommentierte er unentwegt alles, als er mit Tamsyn an seiner Seite auftauchte.
„Oma! Du kommst uns besuchen!“, begrüßte Briar sie und küsste sie auf die Wange. „Ich dachte, du wärst beim Backen.“
„Ich habe genug gebacken, um uns bis zur Julzeit durchzubringen. Na ja, hätte ich, wenn dieser kleine Mann nicht jeden Tag das Dreifache seines Körpergewichts verdrücken würde.“ Tamsyn kniff ihre käfergleichen, dunklen Augen zusammen und sah Max an, der fast größer war als sie, aber ihr Lächeln war echt.
„Ich kann nichts dafür, ich bin immer hungrig“, murrte er, während er das Laub mit der Gabel aus der Schubkarre auf den großen Haufen schaufelte, der zum Verbrennen bereitlag. Briar hatte einen Komposthaufen angelegt, auf dem die Blätter zu Lauberde verrotten konnten, aber es gab so viele davon, dass sie sie auch zu den Haufen toter und beschnittener Äste gaben, die ebenfalls verbrannt werden mussten.
„Schon gut“, beruhigte Tamsyn ihn. „Das ist ein Zeichen dafür, dass meine Kuchen und Kekse gut sind.“
Max grinste, drehte seine Karre um und machte sich wieder auf den Weg. „Ich hole noch mehr.“
Briar lachte. „Ich glaube, du weißt, dass deine Backwaren gut sind, Oma. Meine Freunde fragen ständig danach.“
„Gut. Nimm welche mit nach Hause. Obwohl du weißt, dass dies dein Zuhause sein könnte.“
Das war eine altbekannte Diskussion, bei der Briar nicht nachgeben wollte. „So schön dieser Ort auch ist – oder sein wird –, ich brauche meinen Freiraum, Oma. Und ich bin gern in White Haven, in der Nähe meines Ladens und des Pubs meiner Freunde. Ich will ehrlich sein.“
„Und dieser nette Herr Newton.“
„Er ist ein Freund! Ich habe dir doch gesagt, dass ich mit Hunter zusammen bin.“ Briar hatte ihr nicht erzählt, dass Hunter ein Wolfswandler war. Tamsyn hatte Hexen und Banshees akzeptiert, und es gab keinen Zweifel, dass sie für die alten Bräuche und das Paranormale aufgeschlossen war, aber ein Wandler? Vielleicht nicht so sehr. Und von den Nephilim hatte sie ihr auch nichts erzählt.
„Du bist ganz und gar nicht mit Hunter zusammen“, sagte Tamsyn. „Er ist meilenweit entfernt. Er war einmal hier, seit ich dich kenne. Das ist keine Art, eine Beziehung zu führen.“
Briar wurde still und starrte in die Flammen. Sie hatte recht. Cumbria war weit weg und Hunter war mit seiner Familie und seinem Rudel beschäftigt. Sie war mit ihrem eigenen Freundes- und Familienkreis beschäftigt. So sehr Briar auch davon fantasiert hatte, dass Hunter nach White Haven ziehen oder sie nach Cumbria ziehen würde, wusste sie, dass es niemals geschehen würde. Besonders jetzt, da sie hier Familie hatte.
Tamsyn räusperte sich und Briar spürte das Gewicht ihres Blicks. Sie drehte sich zu ihr um. „Ja, ich weiß. Ich muss es beenden. Aber ich will nicht.“
„Warum nicht?“
„Weil ich ihn mag! Bei ihm fühle ich mich geliebt und sicher.“
„Und er hat Bauchmuskeln zum Dahinschmelzen.“ Tamsyn gluckste vergnügt, als Briar der Mund offen stehen blieb. „Oh ja, ich erinnere mich an Bauchmuskeln. Ich bin alt, nicht blöd. Aber eine schöne Brust nützt dir auf die Entfernung nichts. Du brauchst jemanden in der Nähe. Vielleicht dieser große Mann, der hier manchmal hilft. Dieser Zee. Ich wette, er hat Bauchmuskeln und noch einiges mehr. Wenn ich fünfzig Jahre jünger wäre …“
Tamsyn hatte Zee kennengelernt, als er bei einigen der größeren Gartenarbeiten geholfen hatte, und war von seiner Statur beeindruckt. Die Göttin steh ihr bei, wenn Tamsyn jemals Eli treffen sollte. Briar war entschlossen, die beiden voneinander fernzuhalten, sonst würde sie sich das ewig anhören müssen. Briar schüttelte den Kopf, unfähig, die Veränderung ihrer Großmutter zu fassen. Jetzt, da sie die Last der Trauer der Banshee abgeschüttelt hatte, war ihr Sinn für Humor zum Vorschein gekommen und er war boshaft. Sie war eine scharfe Beobachterin, zog sie alle gnadenlos auf, backte ohne Ende und half im Garten, wo sie konnte. Und mit Rosas Hilfe putzte sie das Haus, was keine leichte Aufgabe war. Der Schmutz von Jahren hatte sich im Haus angesammelt und alles war heruntergekommen, aber sie schrubbte, was sie schaffte. Ihre Küche glänzte jetzt.
Briar schnaubte. „Oma, bitte hör auf, mein Liebesleben in Ordnung bringen zu wollen. Ich werde das schon regeln.“
„Na schön, aber sieh zu, dass du es tust. Und sei sanft zu Hunter. Es wird auch für ihn schwer sein.“
Briar spürte bei dem Gedanken, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, und wischte sie mit dem Handrücken weg. Sie musste das Thema wechseln. „Wie geht es Beth?“
Tamsyn hievte eine Gabel voll Laub ins Feuer und stocherte dann in den brennenden Ästen, während sie zusah, wie die Glut himmelwärts trieb. „Es geht nur langsam voran. Sie ist begabt, aber zu jung, um die Gabe gut zu kontrollieren. Es hilft nicht, dass ihre Kraft so ungeschliffen ist.“
„Glaubst du, die Halskette aus Lapislazuli und Obsidian hilft ihr?“ El hatte eine Halskette mit zwei kleinen Edelsteinen angefertigt und Zauber hineingewoben, um Beth zu schützen und ihre Reaktion auf Visionen zu stärken.
Tamsyn zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Es ist schon eine Weile her, dass sie eine Vision hatte. Es könnte an der Halskette liegen, aber wahrscheinlicher ist, dass die Dinge im Moment einfach stabil sind. Sie ist auch glücklicher. Die Tatsache, dass Rosa ruhiger ist, hilft ebenfalls.“
Tamsyns Lippen wurden bei dieser Aussage schmal. Sie und Rosa waren nicht immer einer Meinung. Briar verstand, warum. Rosa hatte einen Hang zum Dramatischen und war mit Tamsyn wegen der seherischen Gabe der Familie aneinandergeraten. Sie war wütend, dass Beth die Gabe hatte, aber das war kaum Tamsyns Schuld. Sie hatte gewusst, dass es eine Möglichkeit war, aber versucht, es zu vergessen. Auch Briar fand die Haltung ihrer Cousine frustrierend.
„Und was ist mit Alex’ Hilfe?“, fragte Briar. Alex Bonneville war ein regelmäßiger Besucher auf dem Anwesen gewesen. Seine eigenen übersinnlichen Fähigkeiten waren stark, aber ein Kind zu unterrichten, war nicht Alex’ Spezialität.
„Wenn sie älter ist, wird er helfen, daran besteht kein Zweifel. Seine Stärke liegt darin, seinen Geist zu beruhigen und sich zu konzentrieren, aber sie ist im Moment noch zu jung, um das zu begreifen. Und natürlich die Tatsache, dass er Pfade beschreiten kann, die nur wenige beschreiten können.“ Tamsyn legte wie ein Vogel den Kopf schief. „Eine große Fähigkeit, und eine beängstigende. Hoffentlich eine Fähigkeit, die Beth niemals haben wird. Ich habe sie jedenfalls nicht.“
„Da stimme ich dir zu. Das ist nichts, was ich mir wünschen würde“, gestand Briar. Sie schauderte bei dem Gedanken, das Geisterreich zu betreten. „Aber die Sache ist die, Oma, bald ist Samhain. Die Zeit, in der die Schleier zwischen den Welten dünner werden. Ich scherze nicht, wenn ich sage, dass es in White Haven sehr stark sein kann. Könnte das Beth beeinflussen? Oder dich?“
Tamsyn zog ihren Schal enger um ihre Schultern und starrte in die Flammen. „Seit die Todesfee verschwunden ist, habe ich gespürt, wie sich meine eigenen Fähigkeiten regen. Letzte Nacht habe ich einen Hirsch gesehen. Einen weißen Hirsch. Er stand auf einer Anhöhe im Moor, in Nebel gehüllt. Seine Augen leuchteten in einem hellen Blau und er schien direkt durch mich hindurchzusehen. Es war … seltsam.“
„Ein weißer Hirsch? Das bedeutet doch etwas, oder? Bedeutet das nicht, dass etwas Wichtiges bevorsteht? Etwas Gutes?“
„Er bietet Unterstützung für das, was kommen wird. Emotionale und spirituelle Unterstützung.“ Sie wandte sich Briar zu. „Der Hirsch ist positiv, etwas Gutes – das habe ich gespürt. Aber was er voraussagt, weiß ich nicht. Vielleicht hat es mit Samhain zu tun. Die Zeit wird es zeigen.“
„Hast du schon einmal einen gesehen?“
„Noch nie. Deshalb bin ich verwirrt. Normalerweise sehe ich nur Ausschnitte aus der Zukunft. Das hier hat sich anders angefühlt. Ein Totemgeist vielleicht, der gekommen ist, um mich zu führen.“
Briar war mit dem Konzept nicht vertraut, obwohl sie davon gehört hatte. „Ein Geistführer! Ist das deiner?“
„Ich wusste nie, dass ich einen habe, aber vielleicht ist es so. Ich arbeite nicht mit Geistern, Briar. Es ergibt für mich keinen Sinn. Noch nicht.“
Briar wollte noch mehr fragen, aber Tamsyn war verstummt und starrte in die Flammen.
Die Sonne war nun fast unter dem Horizont verschwunden und Bodennebel stieg auf und vermischte sich mit dem Rauch des Feuers. Es war so kalt, dass Briar ihren Atem vor sich aufsteigen sehen konnte. Eine schattenhafte Stille hatte sich über sie gelegt, nur unterbrochen vom Knistern der Äste im Feuer. Briar zog ihre dicke Strickjacke enger um sich und hielt ihre Hände an die Flammen, getröstet von deren Wärme.
Die Äste verschoben sich, als das Feuer sie verzehrte, und für einen kurzen Moment sahen sie aus wie ein riesiges, zackiges Geweih über einem Gesicht, das mit wirbelnden Symbolen bedeckt war und aus dem zwei intensive Augen auf sie zurückstarrten.
Kein Hirsch, sondern ein junger Mann.
***
„Hier, bitte schön, Avery“, sagte Alex und drückte ihr ein Glas Glühwein in die Hände. „Das wird dich aufwärmen. Er ist wirklich gut geworden.“
Avery Hamilton lächelte ihn an. Sie war in einen voluminösen grünen Schal gewickelt, der ihre Augenfarbe betonte und das Rot ihrer Haare vertiefte. „Dein Glühwein ist immer gut. Zu gut.“ Sie nippte daran und schauderte vor Vergnügen. „Köstlich.“
„Ausgezeichnet.“ Er beugte sich vor und küsste ihre Wange, wobei er den Duft einatmete, der ganz nach Avery roch. Ein Hauch von Moschus und Rosen, mit einer zusätzlichen Note von Holzrauch. „Rauchig. Sexy!“
Sie waren in ihrem ummauerten Garten und feierten das Ende eines anstrengenden Gartentages. Sie hatten Kräuter, Pflanzen und Wurzeln für Zauberarbeiten gesammelt, sowie Laub geharkt und Pflanzen zurückgeschnitten. Ein Feuer brannte auf der umgegrabenen Erde jenseits des kleinen Rasens, und die Dämmerung brach bereits herein, obwohl es erst später Nachmittag war.
„Ich glaube, ich mag den Herbst lieber als jede andere Jahreszeit“, gestand Alex, nachdem er an seinem eigenen gewürzten Getränk genippt hatte. „Obwohl es vielleicht an Samhain liegt, meinem Lieblingsfest. Dieses Jahr sollte es lustig werden. Sind wir wieder bei Rasmus?“
„Ja, und er freut sich auch schon. Er sorgt für Glühwein und Apfelwein, kandierte Äpfel, Zimtschnecken und allerlei andere köstliche Leckereien. Er konnte bei der letzten Sitzung des Hexenrats von nichts anderem reden.“ Sie blickte über ihr dampfendes Glas zu Alex hinüber. „Wir brauchen eine ordentliche Feier. Eine, bei der wir nicht angegriffen werden oder andere Zirkelmitglieder binden müssen.“
„Und wir brauchen ein Samhain, bei dem wir es nicht mit der Wilden Jagd zu tun bekommen.“
„Immerhin hat es uns Shadow beschert. Das war ein Segen.“
Alex lachte. „Das ist eine Art, es auszudrücken. Wenigstens hatten wir ein paar ruhige Monate.“ Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an seine Seite. „Das habe ich genossen. Es war auch schön, Zeit mit Briars neuer Familie zu verbringen. Ich wünschte nur, ich könnte Beth mehr helfen.“
„Sie ist zu jung, um wirklich zu verstehen, was passiert.“
„Ich nehme es an.“ Alex dachte an Beths intensiven Blick und ihre weitsichtigen Augen. „Sie ist aber unheimlich. Eine alte Seele.“
„Ist sie das?“ Avery drehte sich um und sah zu ihm auf. „Das hast du noch nie gesagt.“
„Findest du nicht? Vielleicht, weil ich mehr Zeit mit ihr verbracht habe. Ich habe versucht, ihr klarzumachen, dass sie sich entspannen muss, wenn die Visionen kommen. Im Moment bringt sie das so sehr aus der Fassung, dass sie verkrampft.“ Er lachte. „Vielleicht ist sie doch keine alte Seele, sonst würde man meinen, sie käme mit all dem besser zurecht. Vielleicht ist es das Sehen, das sie so wirken lässt. Tamsyn nennt es rohe Kraft, und sie hat recht. Das ist es ganz sicher.“
„Daran glaube ich aber“, sagte Avery nachdenklich. „An die Sache mit den alten Seelen. Manche Menschen sind neu auf der Welt, als wären sie gerade erst angekommen. Sie sind naiv, nehmen alles für bare Münze. Andere, wie wir, waren schon ein paar Mal hier, meinst du nicht auch? Manchmal spüre ich die Last früherer Leben, besonders wenn ich die Tarotkarten lege. Es ist, als ob andere Augen durch meine blicken und ihr Wissen an mich weitergeben.“
„Dein Trancezustand, so nennst du es manchmal“, sagte Alex und nickte. Die Karten versetzten Avery immer an einen anderen Ort. Es war ihre Art, Zugang zu den unsichtbaren Dingen der Welt zu finden, so wie bei ihm die Visionen und das Geisterwandeln funktionierten. „Natürlich glaube ich daran, aber das ist ein seltsames Thema bei Glühwein und Feuer.“
„Ich finde, es ist der perfekte Zeitpunkt. Dämmerung, Rauch und Flammen, am Ende eines Tages, den wir damit verbracht haben, Kräuter und Pflanzen für die Zauberei zu sammeln. Die Magie wirbelt heute Nacht um uns. Ich spüre sie.“
Das war es, was er an Avery liebte. Ihre Fähigkeit, Magie in allem zu spüren. Es waren nicht nur ihre Fähigkeiten als Hexe und ihre Stärke mit der Luftmagie; es ging darüber hinaus. Er brachte seine Gedanken zur Ruhe, schob seine Sorge um Beth beiseite und öffnete seine Sinne für den Garten. Sie hatte recht. „Es ist aber auch eine Zeit des Übergangs, nicht wahr? Wenn die Schleier zwischen den Welten dünn werden, besonders zu Samhain. Aber da ist noch mehr.“ Er sandte seine magische Wahrnehmung weiter hinaus in die hereinbrechende Dämmerung, die von Nebel und Flüstern umhüllt war. „Es ist, als ob uns etwas beobachtet, knapp jenseits unserer normalen Sicht.“
Avery schmiegte sich an ihn, ihren Arm unter seiner Jacke um seine Taille. „Unsere Ahnen versammeln sich, bereit für Samhain. Helena ist stärker als sonst. Ich sehe sie jetzt jeden Tag. Ich frage mich, ob Gil zurückkehren wird. Ich hoffe es. Er fehlt mir.“
„Mir auch. Obwohl ich auch hoffe, dass er in Frieden ruht. Aber ich spüre mehr als nur ein vages Gefühl von Geistern. Es ist etwas anderes.“ Alex schloss die Augen und konzentrierte sich. „Eine starke Präsenz scheint vorherrschend zu sein. Ein Mann, glaube ich. Ich spüre, dass er alt ist – sowohl was die Zeit als auch den Ort betrifft. Als ob er aus der Vergangenheit die Hand ausstreckt.“ Je länger Alex mit geschlossenen Augen dastand, desto stärker fühlte sich die Präsenz an. Der Garten und das Feuer verschwanden, aber der Geruch von Rauch blieb. Tatsächlich wurde er immer stärker. Er holte scharf Luft und riss die Augen auf, und sofort verschwand das Gefühl. Das Feuer vor ihnen brannte immer noch niedrig, der Rauch stieg träge zum Himmel auf. „Das war seltsam. Ich dachte, der Rauch wäre in meine Richtung geweht, er roch so stark.“
Avery löste sich aus seinen Armen und wandte sich ihm zu. „Ich habe auch etwas gespürt. Ich bin nicht sicher, ob es eine Präsenz war, aber ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, und das Gefühl der zeitlichen Distanz. Wie alt, denkst du?“
„Schwer zu sagen nach dieser kurzen Begegnung, und jetzt ist es weg. Verdammt. Ich hätte mich nur ein bisschen länger konzentrieren sollen.“
„Auch wenn ich das nur ungern sage, werden wir es wahrscheinlich wieder spüren. Besonders, wenn wir uns Samhain nähern. Vielleicht streckt ein Vorfahre seine Hand aus. Der Gedanke gefällt mir. Glaube ich.“ Sie verzog das Gesicht. „Solange er nur Hallo sagen will.“
Alex’ Handy summte in seiner Tasche und riss ihn zurück in die Gegenwart. Dem Ton nach eine SMS. Als er sie sah, traute er seinen Augen kaum. „Verflucht noch mal, Avery. Irgendetwas Seltsames passiert hier wirklich.“
„Wieso?“ Sie sah beunruhigt aus. „Ist bei allen alles in Ordnung?“
„Schwer zu sagen. Mein Dad kommt zu Besuch. Den ganzen Weg aus dem schönen Schottland.“
